Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

Jahrgang 23: 2 (2018): Raum und Fremdsprachenunterricht


Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

‚Raum’ hat als Kategorie und Theorierahmen in jüngerer Zeit in vielen geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen zu einem regelrechten Paradigmenwechsel geführt. In der Spracherwerbsforschung und in der Fremdsprachendidaktik ist diese Entwicklung nur marginal rezipiert worden. Dabei ist das Vorhaben, raumtheoretische, raumsemiotische und raumkognitive Dimensionen des Fremdsprachenlernens sowie die diskursive Repräsentation von Räumlichkeit und unterschiedlichen linguakulturellen Räumen für das Fremdsprachenlernen fruchtbar zu machen, nicht nur vielversprechend, sondern auch notwendig. Die vorliegende Ausgabe der Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht möchte einen Beitrag dazu leisten zu zeigen, in welcher Weise die Kategorie des Raums das Sprachlernen und der Fremdsprachenunterricht konzeptuell weiterentwickeln können.

Naomi Shafer zeigt in ihrem Beitrag aus raumtheoretischer Perspektive und vor der Folie der Konstruktivität von Raum, in welcher Weise fremdsprachige Räume in Lehrwerken repräsentiert werden und welches Bild von diesen Räumen den Lernenden (meist affirmativ) vermittelt wird.

Henriette Dausend verbindet den Blick auf sozial und kulturell produzierte öffentliche Räume am Beispiel der street art mit einem didaktischen Vorschlag, der die Lernenden in die Lage versetzen soll, Raumbedeutungen aktiv auszuhandeln und so ihre fremdsprachige Diskursfähigkeit um eine wichtige Dimension zu erweitern.

Benjamin Inal wendet sich sehr konkret dem sprachlichen und sozialen Handeln im Raum zu. In seinem Beitrag thematisiert er die Bedeutung der Proxemik für das Sprachlernen, in der kulturell Körpernähe und -distanz je nach Kommunikationssituation wahrgenommen, bewertet und realisiert werden.

Magdalena Rozenberg betrachtet, ausgehend von classroom als semantischer Kopplung von ‚Raum‘ und ‚Unterricht‘, das pädagogische Konzept des Classroom Managment aus einer räumlichen Perspektive. Darin gewinnt der Zusammenhang von gestaltetem und zu gestaltendem Raum (room und space) für den pädagogischen Handlungsraum ‚classroom‘ Kontur.

Maike Schug und Stefanie Haberzettl zeigen in ihrem Beitrag auf der Grundlage von Forschungen zur Sprachstandsdiagnose im Vorschulalter, dass die Versprachlichung von Positionen von Gegenständen und Lebewesen im Raum ein gutes Mittel zur Differenzierung von Kompetenzniveaus darstellt.

Isabel Hoffmann zeigt in einem Ansatz der kognitiven Grammatik als theoretischer Grundlage anhand einer Erwerbsstudie, wie mittels kognitionslinguistisch basierter Animationen im kognitiv-didaktisch orientierten Unterricht Raumkonzepte visualisiert und Metaphorisierungsprozesse transparent gemacht werden können.

Jörg Roche und Katsiaryna EL-Bouz zeigen in ihrem Beitrag auf, wie Menschen den Raum um sie herum mithilfe grammatikalischer Konstruktionen strukturieren, welche Funktion dabei lokale (räumliche) Präpositionen erfüllen und wie man auf dieser Grundlage effizienten medienunterstützten Grammatikunterricht gestalten kann.

 

Themenheftherausgeber und -herausgeberin

Wolfgang Hallet, Britta Hufeisen und Jörg Roche

 

Außerhalb des Themenschwerpunktes erscheinen in dieser Ausgabe der ZIF sechs Beiträge:

Clémentine Abel beschreibt Nonverbale Elemente im Fremdsprachenunterricht und geht dabei in einer quantitativen Studie auf das emblembezogene Wissen angehender nichtmuttersprachlicher Französischlehrkräfte ein.

Judith Buendgens-Kosten untersucht anhand einer Analyse aktueller Texte die Potentiale mehrsprachiger Lektüren für das Fremdsprachenlernen und argumentiert, dass das Potenzial solcher Texte über reines Scaffolding hinausgeht.

Björn Kasper beschäftigt sich anhand einer Beispielanalyse des Liedes „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen mit der Frage, wie das Wertemuster Freiheit im deutschsprachigen Raum verhandelt wird.

Giuseppe Manno beschreibt die Untersuchung zur Lesekompetenz in den schulisch geförderten Fremdsprachen (Französisch und Englisch) am Übergang zwischen Primar- und Sekundarstufe I, die im Kontext der Vorverlegung des Fremdsprachenunterrichts mit veränderter Sprachenreihenfolge steht.

Katharina Salzmann präsentiert ein Experiment zum Leseverstehen im Rahmen der integrierten Sprachendidaktik. Sie fokussiert dabei die Rekonstruktion von Referenzketten in einer mehrsprachig angelegten Aufgabenstellung.

In der Rubrik Praxisbericht beschreibt Dominik Herzner unter dem Titel Den Holocaust für arabischsprachige Geflüchtete unterrichten Herausforderungen, welche sich für Landeskunde-Lehrwerke ergeben, damit sie antisemitische Tendenzen aufbrechen.

In der Rubrik Rezensionen werden vier Neuerscheinungen besprochen:

Monika Angela Budde rezensiert die Dissertationsschrift von Yvonne Knospe (2017), Writing in a Third Language. A Study of Upper Secondary Students´ Texts, Writing Processes and Metacognition. Umeå: Umeå Studies in Language and Literature 36, Department of Language Studies. Umeå Universitet Schweden; Universiteit Antwerp.

Britta Katharina Ehrig bespricht: Zeyer, Tamara (2018), Grammatiklernen interaktiv. Eine empirische Studie zum Umgang von DaF-Lernenden auf Niveaustufe A mit einer Lernsoftware. Tübingen: Narr.

Swetlana Meißner rezensiert das Buch von Ursula Hirschfeld & Kerstin Reinke (2018), Phonetik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Unter Berücksichtigung des Verhältnisses von Orthografie und Phonetik. Berlin: Erich Schmidt Verlag.

Susanna Vykoupil präsentiert den Sammelband von Mark Bechtel (Hrsg.) (2015), Fördern durch Aufgabenorientierung. Bremer Schulbegleitforschung zu Lernaufgaben im Französisch- und Spanischunterricht der Sekundarstufe I (= Kolloquium Fremdsprachenunterricht, Band 54). Frankfurt am Main: Peter Lang.

Den Abschluss bilden eine Übersicht über wichtige Neuerscheinungen im Fach – verbunden mit der Einladung zur Rezension in der ZIF – und ein Überblick der kommenden Tagungen.

 

 

Die nächste Nummer der ZIF (2019-1) wird im April 2019 mit dem Themenschwerpunkt Fachsprache erscheinen.

Weiter geplant ist u.a:

  • ZIF 2019-2, Oktober 2019: Bildende Künste im Fremdsprachenunterricht (GastherausgeberIn: Tristan Lay und Camilla Badstübner-Kizik)

  • ZIF 2020-1, April 2020: Große Jubiläumsausgabe - 25 Jahre ZIF mit einem breiten Themenspektrum (Team mit mehreren GastherausgeberInnen, koordiniert von Christoph Merkelbach): Call for Papers.