Raum für Grammatik

Jörg Roche, Katsiaryna El-Bouz

Abstract


Dieser Beitrag möchte aufzeigen, wie Menschen den Raum um sie herum mithilfe grammatikalischer Konstruktionen strukturieren, welche Funktion dabei lokale (räumliche) Präpositionen erfüllen und wie man auf dieser Grundlage effizienten Grammatikunterricht gestalten kann.

Grammatik wird dabei als ein konzeptuell motiviertes System symbolischer Strukturen verstanden, das allgemeine Wahrnehmungsprinzipien widerspiegelt und sich nach menschlichen körperlichen Erfahrungen orientiert. Grammatikalische Strukturen bringen zum Ausdruck, wie Menschen den Raum verstehen, strukturieren und zur Sprache bringen (beispielsweise Russisch Я стою на солнце (wortwörtlich Ich stehe auf der Sonne); Deutsch Ich stehe in der Sonne). Diese Prozesse erfolgen auf der Grundlage der konzeptuellen Metaphorisierung (Übertragung von Eigenschaften konkreter Konzepte auf abstrakte Konzepte) und Konzeptualisierung (mentales „Konstruieren“ einer Situation). Das Ergebnis spiegelt sich unter anderem in der Auswahl der lokalen Präpositionen wieder. Dieser Prozess wird im vorliegenden Beitrag genauer betrachtet, unter Berücksichtigung der kognitiven Organisationsprozesse (Aufteilung einer Szene in Figur und Hintergrund) und der räumlichen Dimensionen (Konzeptualisierung des Hintergrunds als eine null-, ein-, zwei- oder dreidimensionale Entität). Anschließend wird aufgezeigt, wie diese komplexen Prinzipien für einen effizienten Fremdsprachenunterricht angepasst werden können, und zwar anhand transparenter Grammatikanimationen und einfacher Erklärungstexte. Der Beitrag wird durch einige konkrete Unterrichtsvorschläge und einen kurzen Ausblick abgerundet.

Die Animationen zu allen Themen der deutschen Grammatik (Niveaus A1 bis B2) sind unter www.granima.de zu finden.

 

This article aims to show how people structure the space around them using grammatical constructions, which functions local (spatial) prepositions fulfill in this process and how to design efficient grammar lessons on this basis.

Grammar is understood as a conceptually motivated system of symbolic structures reflecting general principles of perception and based on human physical experiences. Grammatical structures express how people understand, structure and verbalize space (for example, Russian Я стою на солнце (literally, I'm standing on the sun); German Ich stehe in der Sonne (I'm standing in the sun)). These processes take place based on conceptual metaphorization (transfer of characteristics of concrete concepts to abstract concepts) and conceptualization (mental "constructing" of a situation). The result is reflected, among other things, in the selection of local prepositions. This article considers this process in detail taking into account the cognitive organization processes (structuring a scene into figure and background) and the spatial dimensions (conceptualization of the background as a zero, one, two or three dimensional entity). It will then show how these complex principles can be adapted for efficient language teaching through transparent grammatical animations and simple explanatory texts. The article is rounded off by some concrete teaching suggestions and a brief outlook.

You can find animations on all topics of German grammar (levels A1 to B2) at www.granima.de.


Schlagworte


kognitive Grammatik, kognitive Didaktik, Grammatikanimationen, lokale Präpositionen; cognitive grammar, cognitive didactics, grammar animations, local prepositions

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