Projekte und Ankündigungen

Kulturreflexives Lernen durch die Rezeption von Filmen / Wandel des Deutschlandbildes

Bei diesem internationalen Projekt soll untersucht werden, inwiefern durch die Auseinandersetzung mit deutschsprachigen Filmen kulturbezogenes Lernen in verschiedenen Ländern angeregt werden kann, und zugleich, wie diese Auseinandersetzung durch vorhandenes Wissen und unterschiedliche Gedächtnisrahmen beeinflusst wird. Im Mittelpunkt steht damit die Diskussion interkulturell und interdisziplinär ausgerichteter Forschungsfragen in Bezug auf den Einsatz deutschsprachiger Filme in fremdsprachigen Gruppen von Lernenden in unterschiedlichen Ländern. Da davon auszugehen ist, dass sowohl die Konzeption des Unterrichts als auch die Rezeption durch die Studierenden durch unterschiedliche Kenntnisse und Gedächtnisrahmen beeinflusst werden, sollen u. a. Filmauswahl, didaktische Ziele, das Deutschlandbild, das vermittelt werden soll, und die unterschiedlichen Kenntnisse der Studierenden, beispielsweise in Bezug auf die deutsche Geschichte, herausgearbeitet und verglichen werden. Die Rezeption durch die Studierenden und die möglichen Implikationen auf das Deutschlandbild werden in einem qualitativen Verfahren untersucht, d. h. durch die Untersuchung von schriftlichen Arbeiten rekonstruktiv nachvollzogen.

Leitung:
Dr. Christine Arendt (Università Cattolica Milano, Italien)
Prof. Dr. Barbara von der Lühe (Technische Universität Berlin, Deutschland)
Dr. Sebastian Chudak (Adam Mickiewicz Universität, Polen)
Prof. Dr. Hans Giessen (Jan Kochanowski Universität, Polen; Universität Helsinki, Finnland)
Dr. Sándor Trippó (Universität Debrecen, Ungarn),
Dr. Torsten Schaar (German Jordanian University, Jordanien)
Dr. Tristan Lay (University of Sydney / Australien)
Ass. Prof. Anja Scherpinski (Hankuk University of Foreign Studies Seoul, Südkorea)
Dieter Schmitz M.A. (Tampere, Finnland)
Ass. Prof. Dr. Till Weber (Ryukyu University Okinawa, Japan)
Prof. Dr. Ingrid Zeller (Northwestern University, USA)

Kontakt: christine.arendt@unicatt.it

Literatur:
Arendt, Christine (2019): Zur Analyse kulturreflexiver Filme und ihrer Rezeption im DaF-Unterricht. „Das Leben der Anderen“ und „Nirgendwo in Afrika“. Interpretation, Narratologie, Erinnerungsrhetorik und Rezeption durch italienische Studierende. Würzburg: Königshausen & Neumann. Reihe: Film, Medium, Diskurs.

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UniStart Deutsch@NBL

Klaus Geyer (Odense), Angelika Böhrer (Riga), Maren Eckart (Dalarna), Vanessa Isenmann (Reykjavik), Peter Langemeyer (Østfold), Heiko Marten (Riga), Marie-Luise Meier (Tartu), Alexander Mionskowski (Vilnius), Claudia Rehwagen (Tampere) und Jana Zichel-Wesalowski (Bergen)

Deutschkenntnisse und Einstellungen zum Deutschlernen von Studienanfängerinnen und -anfängern in Studiengängen mit Deutsch in den nordischen und baltischen Ländern: eine Quer- und Längsschnittuntersuchung

Im Mai 2019 hat mit finanzieller Unterstützung des DAAD das Projekt UniStart Deutsch@NBL1 begonnen. Es ist ein auf 10 Jahre angelegtes Projekt zur Untersuchung der Deutschkenntnisse und der Einstellungen zum Deutschlernen bei Studienanfängerinnen und -anfängern in den fünf nordischen Ländern Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden sowie in den drei baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen. An möglichst vielen Hochschulen2 in der Region mit einem relevanten Angebot an Studiengängen mit Deutsch bzw. Deutschkursen wird das Sprachniveau der Studienanfängerinnen und -anfänger im Deutschen standardisiert getestet. Darüber hinaus werden mittels Online-Befragung Daten zur Sprachbiographie (z. B. Vorkenntnisse im Deutschen), zur Lernmotivation (z. B. Deutsch als nützlich für die berufliche Perspektive) und zu Spracheinstellungen (z. B. Deutsch als attraktive Sprache) bei den Teilnehmenden erhoben.

Seinen Ausgangpunkt nimmt UniStart in der Idee, genauer zu untersuchen, wie viel Substanz in der häufig zu hörenden Klage steckt, die Sprachkenntnisse der Studienanfängerinnen und -anfänger in den „deutschen“ Studiengängen, sei es nun Germanistik, „Wirtschaftsdeutsch“ oder Translatologie, würden immer schlechter – im Vergleich zu einem nicht näher spezifizierten „Früher“. Als Erhebungsinstrument für eine solche Untersuchung der Sprachkenntnisse einschließlich möglicher Veränderungen über die Jahre hinweg bietet sich ein regelmäßiges, jährlich zu Beginn des Studienjahres mit den neuen Fachstudierenden durchgeführtes Screening mittels des Online-Spracheinstufungstests onSET an (www.onset.de, ein C-Test) an. Diesbezüglich kann bereits auf gewisse Vorerfahrungen aus Litauen 2005-20093 sowie aktuell aus Odense seit 2012 zurückgegriffen werden. Hier lassen sich keine wesentlichen Veränderungen der deutschen Sprachkenntnisse über die jeweiligen Untersuchungszeiträume hinweg bei den Studienanfängerinnen und -anfängern beobachten. Da dies jedoch nur Einzelbefunde sind, erscheint eine Langzeitstudie sinnvoll. Wegen der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen wird die onSET-Erhebung mit einer Online-Befragung der neuen Fachstudierenden zu ihrer Sprachbiographie, zur Motivation für die Wahl eines Studiengangs mit Deutsch und zu Spracheinstellungen zum Deutschen gekoppelt. Die vielfältigen Unterschiede der Zugangsvoraussetzungen, der Studienorganisation und der Studienprogramme in den einzelnen Ländern, aber auch zwischen den einzelnen Hochschulen, und nicht zuletzt die sehr unterschiedlichen Bedingungen von Online- und Campusstudium führen dabei allerdings zu einer Komplexität, die nicht bereits in der ersten Erhebungsrunde bewältigt werden kann. Hinzu kommt, dass der Spracheinstufungstest onSET mancherorts erst eingeführt werden muss. An der ersten Erhebungsrunde im Herbst 2019, die dadurch den Charakter eines Testlaufs erhält, wird deshalb nur eine beschränkte Anzahl von geeigneten Hochschulen teilnehmen.

Dem onSET wird eine Online-Befragung vorgeschaltet. Sie beinhaltet (i) validierte motivationale und attitudinale Fragen zu Bereichen wie Instrumentality, Ideal L2-Self und Anxiety, wobei wir uns hier auf die einschlägige Forschung insbesondere von Zoltan Dörnyei stützen (vgl. https://www.zoltandornyei.co.uk). Daneben sind (ii) ausgewählte Fragen zu den Gründen für das Studium des Deutschen in Anlehnung an die „10 Gründe für Deutsch“ des Goethe-Instituts (https://www.goethe.de/de/spr/wdl.html; nicht validiert) sowie (iii) Fragen zu Alter und Geschlecht, Studiengang, Studienform4 und Hochschule sowie zur Sprachbiographie enthalten. Beim Einstieg in die Online-Befragung kann von den Teilnehmenden eine an die Länderversionen gekoppelte Sprachversionenwahl vorgenommen werden; Deutsch und Englisch sind immer in der Auswahl enthalten. Mit den Länderversionen sind außerdem bei manchen Fragen (z.B. nach dem Studiengang und der Hochschule) bestimmte Auswahlmöglichkeiten verbunden.

Im Zentrum der Untersuchung stehen Hochschulen mit „vollen“ Deutsch-Studiengängen, und zwar unabhängig vom Profil, sei es ein germanistischer Kombinationsstudiengang mit „Wirtschaftsdeutsch“, eine Germanistik zur Ausbildung von Lehrkräften, eine Germanistik im Rahmen eines Translationsstudiums, eine auf eine spätere wissenschaftliche Tätigkeit ausgerichtete Germanistik oder etwas anderes. Es werden jedoch auch kürzere Verläufe wie ein sogenanntes Jahresstudium, das an einigen Institutionen möglich ist, oder Deutsch als Nebenfach in unterschiedlichen Formen berücksichtigt, da hier ein wesentliches Potenzial für die Entwicklung und Rekrutierung im Fach gesehen wird. Um das Vorhaben regelmäßiger Datenerhebung trotz der großen Vielfalt an Studienmöglichkeiten durchführbar zu halten, beschränken wir uns allerdings darauf nur solche Hochschulen einzubeziehen, an denen mindestens 25 ECTS-Punkte Deutsch studiert werden können.5

Ein wesentliches Ziel von UniStart Deutsch@NBL ist, nach Abschluss der Projektlaufzeit belastbares Datenmaterial zum Stand einschließlich eventueller Veränderungen der deutschen Sprachkenntnisse von Studienanfänger_innen in den verschiedenen Studiengängen mit Deutsch, zum sprachbiographischen Hintergrund sowie zu motivationalen und attitudinalen Faktoren in den nordischen und baltischen Ländern erhoben, analysiert und interpretiert zu haben und somit Aussagen dazu jenseits des Anekdotischen oder Impressionistischen zu ermöglichen (Längsschnitt). Tendenzen werden sich bereits viel früher, während die Untersuchung noch läuft, ablesen lassen. Ein weiteres wesentliches Ziel besteht darin, bereits ab der ersten Erhebungsrunde für die teilnehmenden Hochschulen valide Erkenntnisse über die Sprachkenntnisse ihrer Studienanfängerinnen und -anfänger im Deutschen einschließlich sprachbiografischer, motivationaler und attitudinaler Faktoren zutage zu fördern, was mit Gewinn z.B. für eine realistische Abstimmung der Studienanforderungen mit den sprachlichen Fähigkeiten der Studierenden genutzt werden kann (Querschnitt). Darüber hinaus wird ausdrücklich angestrebt, die gewonnenen Erkenntnisse in den Dialog mit Akteuren aus dem vorgeschalteten Schulbereich einzubringen, ist doch die Basis für das Deutschlernen bei den meisten Studienanfängerinnen und -anfängern lang vor Studienbeginn gelegt worden.

Was UniStart Deutsch@NBL ausdrücklich nicht anstrebt, ist, eine Vergleichsstudie zwischen einzelnen Hochschulen, Hochschulstandorten, Ländern oder Regionen im Sinne einer „Leistungsschau“ zu sein.

Als ein sekundäres Ziel erhofft sich die Projektgruppe, dass die Untersuchung von UniStart Deutsch@NBL mit ihrer Fragestellung und Methodik, ggf. mit erforderlichen Anpassungen und Ergänzungen, auf andere Regionen übetragen werden kann und dort Anwendung findet.

Weitere Informationen werden in Kürze über die Webseite www.unistart-deutsch.sdu.dk verfügbar sein.

Kontakt: Assoz. Prof. Dr. Klaus Geyer, Süddänische Universität, Institut für Sprache und Kommunikation, Campusvej 55, 5230 Odense, E-Mail klge@sdu.dk

[1] Der Titel baut auf einem Vorschlag von Joachim Schlabach, Universität Turku, auf; NBL steht für „nordische und baltische Länder“.

[2] Wir sprechen nur von Hochschulen als übergreifende Bezeichnung für Universitäten, Fachhochschulen, University Colleges, Pädagogische Hochschulen usw.

[3] Vgl. Geyer, Klaus. 2009. Sprachstandmessung und Lernfortschritte litauischer Studierender im Fach Deutsch: eine vergleichende Analyse mittels C-Test-Ergebnissen. In: Language in Different Contexts, Research Papers 3,1, 167-181. (Vilnius: Vilniaus pedagoginio universiteto leidykla)

[4] Hier geht es um die Frage, ob das Studium als Präsenzstudium, ausschließlich online-basiert oder als Kombination aus Präsenz- und Online-Anteilen (Blended Learning) durchgeführt wird – ein Aspekt mit hoher Zukunftsrelevanz.

[5] Dies entspricht einem so genannten „kurzen Nebenfach“ im finnischen System.

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Digitalisierter Unterricht in der beruflichen Ausbildung – Afrika (DUAL-A)

Werkstattbericht einer mehrsprachigen Lern-App (Jörg Roche, Patrick Zahn)

Am Beispiel des regional vernetzten und bedeutenden Schwellenlandes Tunesien sollen auf der Basis vorhandener (für berufliche Schulen in Bayern entwickelter) Ausbildungskonzepte und -materialien und in Zusammenarbeit mit der in den betreffenden Regionen aktiven bayerischen Wirtschaft und dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) niedrigschwellige, digital gestützte Programme für eine passgenaue berufliche Ausbildung in prioritären Berufszweigen entwickelt werden, die die vorhandenen Ansätze für eine nachhaltige wirtschaftliche und bildungspolitische Entwicklung der betreffenden Länder ausbauen helfen und damit Bleibe-, Rückkehr- und Entwicklungsperspektiven verbessern.
Hierfür wird das Know-how regional tätiger Betriebe und Institutionen in Deutschland und den Zielländern zusammengeführt.

Besonders relevant ist der pragmatische Einsatz von Sprache. Zur Vermittlung bedarfsorientierter Inhalte und beruflich verwertbarer Kompetenzen wird eine App für Smartphones entwickelt. Diese App verwendet ein modernes, pragmatisches Mehrsprachen-Konzept, das sowohl die Landessprache Arabisch, die internationale Verkehrssprache Französisch und die Expertensprache Deutsch (Vermittlungsinstrument) umfasst.
Die Auffassung von Sprache geht allerdings noch weiter: Sprache wird als praktisches Hilfsmittel zur Vermittlung von Konzepten und Wissen verstanden. Eine Sprache wird in der App pragmatisch dort eingesetzt, wo sie die höchste Wirkung erzielt. Bei Einsteiger-Lerngruppen können vor allem die Herkunftssprachen zur Vermittlung fachlicher Kompetenzen genutzt werden. Bei fortgeschrittenen Lerner/-innen kann auf die Sprache der offiziellen Kommunikation, Französisch, zurückgegriffen werden.
Deutsch hat den Status der Expertensprache: Die meisten relevanten Ausbildungs- und Arbeitsmaterialien im Bereich Arbeitssicherheit in den Betrieben vor Ort werden auf Deutsch produziert. All dieses Know-how in andere Sprachen zu übersetzen, ist aufwändig und nicht zielführend. Zentrale Fachbegriffe, die sich ebenfalls im betrieblichen Alltag wiederfinden, werden nicht übersetzt. Das Konzept, das sich hinter dem jeweiligen Fachbegriff verbirgt, wird anschaulich und situativ vermittelt.
Vor allem, wenn es um die Vermittlung von Konzepten geht, hat sich gezeigt, dass eine direkte Übersetzung nicht zwangsläufig zu einem besseren Verständnis führt. Entscheidend sind eine Relevanz für die Lerner/-innen, die fremdsprachlichen Begriffe zu gebrauchen und das Konzept dahinter zu verstehen (Roche 2013: 24-25). Auf diese Weise erwerben junge Menschen relevante und zentrale Kompetenzen in ihren Berufsfeldern und erhalten einen niedrigschwelligen Zugang zur relevanten Expertensprache Deutsch. Über Deutsch wird auch über die unmittelbaren Ausbildungsinhalte hinaus viel relevantes Kultur-, Arbeits- und Bildungswissen vermittelt, das für eine qualitativ hochwertige Berufsausübung im Ausland von den Partnern gewünscht wird und zielführend ist.

Ziel des hier vorgestellten Projekts DUAL – A, das auf Initiative des Bayerischen Landtags konzipiert wird, ist die Beantwortung der Frage, wie anhand von digital aufbereitetem Lernmaterial die vorhandenen Materialien und Ausbildungskonzepte sowie die im Zuge der Förderung von Vermittlungs- und Qualifizierungsangeboten zu entwickelnden Materialien optimiert und fachlich erweitert werden können, so dass wirksame berufliche Ausbildungsstrukturen in Tunesien entstehen und ausgebaut werden. Die Ausbildungspotentiale von jungen Frauen sind dabei verstärkt in den Blick zu nehmen, da sie besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind (Angenendt & Popp 2015: 105).

Das Konzept und die Grundstruktur der bereits 2018 entwickelten App lassen sich schnell und ohne großen Aufwand auf weitere Kontexte mit anderen spezialisierten Inhalten übertragen. Die App sowie die begleitende Online-Lernplattform folgen den Prinzipien der Szenariendidaktik (vgl. Hölscher, Roche & Simic 2009). Sie verwenden authentische Materialien und betten die Inhalte in relevante, praxisnahe und handlungsorientierte Lernszenarien ein.

DUAL – A bietet durch die problemlose Erweiterbarkeit der Materialpakete eine ökonomisch nachhaltige Möglichkeit, berufliche Aus- und Weiterbildung sowie Qualifizierung passgenau, zukunftsfähig und digital zu gestalten. Dank einer Offline-Funktion ist die App dezentral nutzbar und erlaubt zusätzlich die Vernetzung des Lernmaterials in Foren oder Klassen-Chats. Diese Nutzung schafft Mehrwerte für Lehrer/-innen und Lerner/-innen (Roche 2018: 240-241).

Das Projekt versteht sich als Machbarkeitsstudie für ein ab 2019 zu konzipierendes berufliches Ausbildungsprojekt in direkter Partnerschaft mit dem bbw, dessen Ziel der Ausbau von relevanten, Ausbildungsstrukturen ist, die die Förderung bedarfsorientierter Berufsvermittlungs- und Qualifizierungsangebote für jugendliche Arbeitslose in Tunesien gewährleisten.

Literatur

Angenendt, Steffen & Popp, Silvia (2015), Junge Menschen ohne Perspektive, Arbeitslosigkeit und Migrationsdruck in Nordafrika. In: Neuss, Beate & Nötzold, Antje (Hrsg.), The Southern Mediterranean. Nomos Verlagsgesellschaft, 103-124.

Hölscher, Petra; Roche, Jörg & Simic, Mirjana (2009), Szenariendidaktik als Lernraum für interkulturelle Kompetenzen im erst-, zweit- und fremdsprachigen Unterricht. In: Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht 14: 2, 43-54 [Online unter https://tujournals.ulb.tu-darmstadt.de/index.php/zif/article/view/219/211, 16.10.2018].

Roche, Jörg (2013), Fremdsprachenerwerb Fremdsprachendidaktik (3. Aufl.). Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag.

Roche, Jörg (2018), Mediale Lernmehrwerte durch Aufgaben- und Handlungsorientierung. In: Roche, Jörg & Drumm, Sandra (Hrsg.), Berufs-, Geschäfts. und Wirtschaftssprachen. Kompendium DaF/DaZ, 8. Tübingen: Narr Francke Attempto.

Kontakt

Prof. Dr. Jörg Roche, Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Deutsch als Fremdsprache, Schönfeldstraße 13a, D-80539 München, E-Mail: roche@daf.lmu.de

Patrick Zahn, M.A., Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Deutsch als Fremdsprache, Schönfeldstraße 13a, D-80539 München, Tel.: +49 89 2180-72032, E-Mail: zahn@daf.lmu.de

 

 

 

Deutsche und türkische Stereotype im Vergleich (Rupprecht S. Baur, Stefan Ossenberg, Haci-Halil Uslucan)

Informationen zum Forschungsprojekt:

In dem Forschungsprojekt „Deutsche und Türkische Stereotype im Vergleich“ werden erstmalig statistisch valide und aussagekräftige Aussagen zu „Völkerbildern“ erhoben, die im deutsch-türkischen Kontext in beiden Ländern existieren und im interkulturellen und transkulturellen Kontakt eine Rolle spielen: In dem Zeitraum zwischen Januar 2014 und Oktober 2015 wurden in Deutschland mehr als 2000 und in der Türkei mehr als 3000 Personen befragt.

In einer Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache der Universität Duisburg-Essen (Rupprecht S. Baur, Stefan Ossenberg), dem Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung in Essen (Haci Halil Uslucan), der Marmara-Universität Istanbul (Leyla Coşan) und der Bahçeşehir-Universität Berlin (Süheyla Schroeder) sowie 14 weiteren türkischen Hochschulen wurden die aktuell existierenden Stereotype in Deutschland und in der Türkei erhoben und analysiert. In darauf aufbauenden vertiefenden Studien werden die Daten sowohl statistisch als auch in soziolinguistischen und literaturwissenschaftlichen Kontexten  weiter untersucht.

Erhoben wurden die Daten anhand einer 140 Merkmale umfassenden Merkmalliste, mit denen die Befragten „die Deutschen“ und „die Türken“  charakterisieren können. Das Forscherteam hat ermittelt, wie die Bilder „der Deutschen“ über „die Türken“  und die Bilder „der Türken“ über „die Deutschen“ nach 50 Jahren vielfältiger Kontakte tatsächlich sind.

Folgende Auswertungen sind bisher vorgenommen worden:

  1. Heterostereotype der Deutschen über Türken vs. Autostereotype der Türken
  2. Heterostereotype der Türken über  Deutsche vs. Autostereotype der Deutschen
  3. Vergleich der in Deutschland lebenden Personen mit türkischem Migrationshintergrund mit Deutschen und Türkeitürken
  4. geschlechtsabhängige Unterschiede in Auto- und Heterostereotypen
  5. altersabhängige Unterschiede in Auto- und Heterostereotypen
  6. bildungsabhängige Unterschiede in Auto- und Heterostereotypen

Informationen werden im Portal des Projekts zur Verfügung gestellt: https://side.uni-due.de/

Weitere Perspektiven:

  1. Qualitative Auswertungen und weitere Befragungen zu einzelnen Stereotypen.
    Beispiel: sparsam und geizig bei den Deutschen, nationalstolz und fanatisch bei den Türken.
  2. Befragungen von Frauen und Männern in Bezug auf einzelne Eigenschaften.
    Beispiel: trinkfreudig, gute Soldaten, militaristisch.
  3. Welche Stereotype über Türken und Deutsche finden sich in der Literatur und der Presse der beiden Länder? Hierbei sollen auch historische Perspektiven berücksichtigt werden. Beispiel: das Stereotyp trinkfreudig vom Mittelalter bis heute.
  4. Stereotype in ethnischen Witzen: „Ein Franzose, ein Türke und ein Deutscher…“
  5. Folgeerhebungen, um zu überprüfen, inwieweit Veränderungen in der Politik und der politischen Berichterstattung zu Veränderungen in den Stereotypen der Deutschen und der Türken führen.
  6. Einbeziehung weiterer ethnischer Gruppen in die Befragung in Deutschland und der Türkei: z.B.  Syrer und Afghanen.
  7. Befragungen mit demselben Instrumentarium und derselben Methode in Bezug auf Deutschland und andere Länder, aus denen Migranten als ethnische Gruppen identifiziert werden, z.B. Russen und Polen.  


Neuer Forschungsschwerpunkt Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache im Rahmen von Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik e.V. – GiG

Der neu begründete Forschungsschwerpunkt Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache im Rahmen von Mehrsprachigkeit versteht sich als ein dynamischer Forschungsverbund international tätiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu den für die Fächer relevanten Fragen, wie der interkulturellen Linguistik und der Mehrsprachigkeitslinguistik, der Spracherwerbsforschung, der Sprachlern- und -lehrforschung, der Erforschung von Modellen der multiplen Sprachenaneignung und ihrer jeweiligen Kulturspezifik.

Neben der Diskussion interkulturell und interdisziplinär ausgerichteter Forschungsfragen stehen die Entwicklung effizienter und effektiver Forschungsmethodologien und -methoden sowie die Erarbeitung von begrifflichen Werkzeugen für die Forschung und akademische Lehre im Mittelpunkt.

Der Forschungsschwerpunkt beteiligt sich aktiv an der Gestaltung der Jahrestagungen der GiG und an der Umsetzung von Fortbildungsmaßnahmen für den wissenschaftlichen Nachwuchs (DAAD Sommerschule u.ä.). Er wird geleitet von Britta Hufeisen (TU Darmstadt), Claudia Maria Riehl (LMU München) und Jörg Roche (LMU München). Alle interessierten Kolleginnen und Kollegen und auch der wissenschaftliche Nachwuchs sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen. Eine kurze e-Nachricht an den GIG-Vorstand oder die Leitung des Schwerpunktes wäre dazu sehr willkommen.

Die GiG ist eine internationale Forschungsvereinigung, die vor drei Jahrzehnten gegründet wurde und eng mit der wissenschaftlichen Stellung der interkulturellen Germanistik verbunden ist. Germanistische Grundlagen werden mit Paradigmen der Interkulturalitätsforschung verbunden, wobei Themen wie die interkulturelle Dialog- und Konfliktforschung spezifische Aufmerksamkeit finden.

Eine zentrale Rolle kommt der Netzwerkbildung unter den Mitgliedern einschließlich der Förderung des internationalen wissenschaftlichen Nachwuchses zu. Realisiert werden diese Ziele durch die Veranstaltung von Tagungen, die in Tagungsakten (peer reviewed book series) dokumentiert und den Mitgliedern kostenlos zugesandt werden. Dies gilt auch für das Organ der GiG, das peer reviewed journal "Zeitschrift für interkulturelle Germanistik" (ZiG). Seit einigen Jahren besteht zudem eine enge Kooperation mit der ZIF.

Seit 2015 werden in der GiG spezifische Forschungsschwerpunkte unter der Leitung jeweils besonders ausgewiesener Fachkolleginnen und -kollegen begründet. So können Themen von hoher Relevanz und Attraktivität mit angemessener Stetigkeit untersucht und präsent gemacht werden. Der erste dieser Forschungsschwerpunkte fokussiert Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache im Rahmen von Mehrsprachigkeit.

Die Mitglieder des Vorstandsgremiums sind seit Anfang 2015 Gesine Lenore Schiewer (Präsidentin, U Bayreuth), Dieter Heimböckel (U Luxemburg), Paul Michael Lützeler (Washington U in St. Louis), Dalia Salama (U Kairo), Vibha Surana (U Mumbai), Herbert Uerlings (U Trier), Manfred Weinberg (U Prag).

Informationen zur GiG-Satzung, jährlichem Mitgliedsbeitrag und das Formular zur Beantragung der Mitgliedschaft sind hier zu finden: http://www.intergerm.uni-bayreuth.de/de/Gesellschaft-fuer-interkulturelle-Germanistik-e_V_-GiG/index.html.

 

Am Institut für Deutsch als Fremdsprache der Universität München wird mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung das Internationale Forschungszentrum 'Chamisso-Literatur' (IFC) eingerichtet.

Damit soll dieser literarisch hoch wirksamen Literatur in Forschung und Lehre zu stärkerer wissenschaftlicher Geltung verholfen werden. Das Zentrum will dabei auch in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Chamisso-Literatur, ihren Autorinnen und Autoren sowie den internationalen Rezeptionsbedingungen die genuin xenologische Perspektivik der Literatur abbilden, also unterschiedlichen, interdisziplinären und interkulturellen wissenschaftlichen Perspektiven Raum geben. Dazu soll ein internationales Netz von Forscherinnen und Forschern aufgebaut werden, das direkte Verbindungen zu den Autorinnen und Autoren unterhält und breit in die Öffentlichkeit wirkt. Tagungen, Publikationen, eine Internetplattform, Meisterklassen, eine kontinuierlich besetzte Poetikdozentur mit wechselnden Preisträgerinnen und Preisträgern, Lesungen und ein Forschungsarchiv sollen sukzessive eingerichtet werden.

Das IFC versteht sich als Begegnungsstätte der Literatur-, Kultur- und Textwissenschaften, Soziologie, Politikwissenschaft, Migrationsforschung, Mehrsprachigkeitslinguistik, Kontakt- und Konfliktlinguistik und Philosophie. Ein zentrales Anliegen des Zentrums ist ferner die Arbeit mit den deutschen Kultusministerien und den Schulen sowie das Wirken in die Öffentlichkeit.

Das Zentrum ist erreichbar über http://www.daf.uni-muenchen.de/forschung/ifc/index.html und die Webadresse chamisso.daf.lmu.de.

 

Seit 1997 wird mit den LIFE-Materialien der BMW-Group Neugierde auf fremde Kulturen und Sprachen geweckt.

Die Materialien wollen Impulsgeber sein und stellen praktische Handreichungen für die Sprach- und Kulturvermittlung sowie für die Vermittlung inter- und transkultureller Kompetenzen dar. In einer zunehmend globalisierten und von technischen Innovationen geprägten Welt gewinnen Medien im interkulturellen Kommunizieren und Lernen immer mehr an Bedeutung. Diesem Bedarf will die 5. Ergänzungslieferung zum Thema „Interkulturelles Lernen mit Medien“ mit innovativen, theoretisch fundierten und praxistauglichen Beiträgen gerecht werden. Die neue Lieferung enthält daher wieder innovative Ideen, Konzepte und Projekte, die sich in der Praxis bewährt haben und die sich als Modelle für eine gelingende Vermittlung und den Erwerb inter- und transkultureller Kompetenzen auszeichnen. Zu den thematischen Schwerpunkten gehören die folgenden:

• interkulturelle Projekte (Videoarbeit, Computerspiele, Übungsformen)

• multimediale Lernangebote für die Sprach- und Kulturvermittlung 

• Handreichungen, Materialien und Ressourcen zum interkulturellen Lernen mit Medien.

Zu den internationalen Beiträgerinnen und Beiträgern gehören Christine Arendt, Christina Becker, Florence Feiereisen, Gilberte Furstenberg, Alexander Kruckenfellner, Barbara von der Lühe, Julija Scheller, Ferran Suñer, Matthias Springer, Waltraud Timmermann, Dessislava Todorova, Anja Wildemann. Die neuen Beiträge sind ab April 2012 wie alle anderen LIFE-Beiträge auch unter http://www.bmwgroup.com/life kostenfrei und unbegrenzt verfügbar.